Entspannung und Abstand vom Alltagsstress

Mit einem solchen Erfolg hätte Andreas Laukert nicht gerechnet. Vor einem Jahr eröffnete der Physiotherapeut im Ballhaus des historischen Kurparks von Bad Meinberg die Praxis „TBo-Laukert“. Seitdem wird dort fast täglich mit Pfeil und Bogen trainiert. Die Nachfrage nach seinen Kursen ist so groß, dass der 31-Jährige plant, sich zu vergrößern.

Viele träumen davon, aber nur wenige schaffen es – mit dem eigenen Hobby Geld zu verdienen. Andreas Laukert ist begeisterter Bogenschütze. Bereits seit vier Jahren referiert und unterrichtet der Detmolder nebenberuflich über die therapeutische Wirkung der besonderen Präzisionssportart. „Bogenschießen ist eine der ältesten Jagdformen, die die Menschheit kennt. Sie veränderte grundlegend die Kräfteverhältnisse im Zweikampf. Es siegte grundsätzlich nicht der Stärkere, sondern derjenige, der sich geschickter verhielt“, erklärt Andreas Laukert.

Seit April 2015 bietet der staatlich geprüfte und zertifizierte Physiotherapeut im ehemaligen Ballhaus im Herzen von Bad Meinberg Schnupper-, Grund- und Aufbaukurse im Bogenschießen an. Das denkmalgeschützte Gebäude diente zuletzt als Tinitus-Zentrum und stand anschließend viele Jahre leer. Nachdem der Inhaber, der Landesverband Lippe, vergeblich versucht hatte, das Gebäude zu verkaufen, wurden die Räumlichkeiten vermietet. Heute sind dort neben TBo Laukert eine Praxis für Ergotherapie sowie ein Allgemeinmediziner ansässig.

Andreas Laukert ist froh, dass er nach langer Suche eine große, adäquate Praxis für seinen Sport gefunden hat. Zuvor referierte er in der MediClin Rose Klinik über den Sport und gab praktische Kurse in der Dr. Becker Brunnen-Klinik, in der er auch heute noch als Physiotherapeut tätig ist. „Mit der Zeit haben sich immer mehr Patienten angemeldet. Irgendwann war die Nachfrage so groß, dass ich beschlossen habe, eine Praxis zu eröffnen“, berichtet der sympathische Jungunternehmer.

Viele Interessenten kommen direkt nach der stationären Behandlung in den Kliniken zum Bogenschießtraining. Zum Kundenkreis zählen auch Unternehmen und Sportbegeisterte aus der gesamten Region. Die Kurse dauern in der Regel eineinhalb bis drei Stunden, die Seminare für Fortgeschrittene sogar bis zu zwei Tage. „Beim Bogenschießen werden der gesamte Oberkörper, die Visuomotorik und die feinmotorischen Fähigkeiten des Schützen trainiert. Insbesondere Menschen, die aufgrund eines Eingriffes im Brustbereich eine Schonhaltung eingenommen haben, lernen durch das Training, ihre Körperhaltung zu öffnen“, verdeutlicht Andreas Laukert.

Einige seiner Schüler setzen sich bei den ersten Versuchen zu sehr unter Druck, so dass das erste Lernziel darin bestehe, „ihren Ehrgeiz zu kontrollieren“, berichtet er. Besonders wichtig ist es Laukert, dass seine Schüler lernen, gelassen zu bleiben und ihre Leistung ohne Druck abzurufen – egal, ob sie das Ziel treffen oder nicht. „Im Training üben die Teilnehmer auf spielerische Art und Weise, sich zu konzentrieren und ihre Atmung zu kontrollieren. Wer sein Ziel fest im Visier hat, konzentriert sich nur auf das, was gerade passiert. Dies machen wir uns zum Vorteil. So nutze ich den Bogenschießsport zielgerichtet zur Stressbewältigung.“

Die Kurskosten für das therapeutische Bogenschießen zahlen die Teilnehmer selbst, da die Leistungen noch nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden.

Unterstützt wurde Andreas Laukert bei seinem Projekt von Wenke Holzgrewe, Betreuerin Freie Berufe in Lippe. „Gemeinsam mit der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold habe ich einen Geschäftsplan entwickelt, den ich bisher mehr als erfüllt habe. So fühle ich mich gut gerüstet für die Zukunft.“

Und der Zulauf gibt ihm Recht. Durch die schnellen Lernerfolge motiviert, haben sich bereits viele Kunden für eine Clubmitgliedschaft entschieden, da sie den Sport weiterhin in ihrer Freizeit ausüben möchten. Um den Service zu verbessern, werden in diesem Jahr die Öffnungszeiten der Praxis ausgeweitet. Des Weiteren plant der Physiotherapeut, eine zweite Schießhalle anzumieten, in der die Clubmitglieder jederzeit und außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten schießen können. „Wir sind mit den Planungen am Anfang, aber es gab schon sehr gute Angebote“, so Andreas Laukert, der seine nächsten beruflichen Ziele fest entschlossen, aber mit der nötigen Portion Gelassenheit ins Auge gefasst hat.