Mit kühlem Kopf zum Eigenheim

Trotz Zinstief Immobilienkauf nicht überstürzen

Wer von den eigenen vier Wänden träumt, für den ist der Zeitpunkt günstig. Doch Vorsicht: Objektauswahl und Finanzierung wollen wohlüberlegt sein. Wenke Holzgrewe, Betreuerin Freie Berufe, gibt Tipps zum Immobilienkauf und zur Baufinanzierung.

 

Frau Holzgrewe, sind die eigenen vier Wände tatsächlich derzeit so attraktiv, wie alle behaupten?

Wenke Holzgrewe: Definitiv ja! Tatsächlich war es nie günstiger, sich den Wunsch vom Eigenheim zu erfüllen. Aktuell sind für ein Darlehen über 100.000 Euro bei einer zehnjährigen Zinsbindung rund
308 Euro zu zahlen (siehe Abbildung). Die Rate beinhaltet sowohl die Zinszahlung als auch eine zweiprozentige Anfangstilgung. Im Jahr 2000 beispielsweise sah das noch ganz anders aus. Damals musste der Bauherr monatlich mehr als das Doppelte bezahlen. Natürlich gelten diese attraktiven Konditionen nicht nur für die eigenen vier Wände. Auch Neugründungen oder Umbauten von Arztpraxen und Existenzgründungen von Freiberuflern lassen sich derzeit günstig finanzieren.

Sind Immobilien und Grundstücke aufgrund der hohen Nachfrage nicht viel zu teuer geworden?

Wenke Holzgrewe: Die Rahmenbedingungen für den Erwerb und den Bau von Wohneigentum sind weiterhin sehr gut. Eine Preisblase für Immobilien kann ich in unserer Region nicht feststellen. Die Preise für Objekte in attraktiven Lagen sind zwar gestiegen, aber nach wie vor marktgerecht und nicht überzogen. Die Spezialisten unserer Tochtergesellschaft OWL Immobilien GmbH stellen unseren Kunden gerne interessante Objekte vor. Wichtig ist nur, sich nicht überstürzt
und unvorbereitet in das so genannte Betongold zu flüchten.

* Die ausgewiesenen monatlichen Belastungen gehen von einem Immobilienkredit über einen Nettodarlehensbetrag von 100.000 Euro mit einer Sollzinsbindung von 10 Jahren, 100 % Auszahlung und 2 % Tilgung aus. Aktuelle Basis: gebundener Sollzinssatz 1,70 %, effektiver Jahreszins 1,71 %, Stand: 01.06.2015 | Quelle: WL BANK AG, eigene Berechnung

Wie lässt sich abschätzen, ob die Wunsch-Immobilie langfristig eine gute Wertanlage ist?

Wenke Holzgrewe: Drei Dinge sind entscheidend für den langfristigen Wert einer Immobilie: Lage, Lage, Lage. In dem alten Kalauer steckt immer noch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Um eine
gute von einer schlechten Lage zu unterscheiden, sollte man die Infrastruktur – Verkehrsanbindung, Einkaufs- und Naherholungsmöglichkeiten, Angebote für Kinderbetreuung und Schulen – und die Entwicklung der Grundstückspreise unter die Lupe nehmen.

Worauf müssen Käufer bei einer gebrauchten Immobilie achten?

Wenke Holzgrewe: Grundsätzlich sollte man kein Objekt kaufen, ohne es vorher persönlich in Augenschein zu nehmen. Da beim Immobilienerwerb der Grundsatz „gekauft wie besehen“ gilt, sollte dies am besten in Begleitung eines Fachmanns geschehen. Er kann die Bausubstanz und die Energiebilanz beurteilen und damit auch, ob der Kaufpreis angemessen ist. Zudem kann er eventuell versteckte Baumängel aufspüren, die dem Laien verborgen bleiben. Ferner sollten sich Kaufinteressenten vom Verkäufer den Energiepass zeigen lassen. Es gibt ihn in zwei Varianten, wobei der Bedarfsausweis deutlich aussagekräftiger als der Verbrauchsausweis ist.

Welche Kosten entstehen beim Kauf einer Immobilie neben dem Kaufpreis noch?

Wenke Holzgrewe: 6,5 Prozent des Kaufpreises sind als Grunderwerbssteuer zu zahlen, weitere 1,5 bis 2 Prozent für Notargebühren und Grundbucheintrag. Wer über einen Makler kauft, muss in der
Regel 3,57 Prozent Provision hinzurechnen.

Welche Tipps haben Sie für die Baufinanzierung?

Wenke Holzgrewe: Auch wenn jede Immobilienfinanzierung individuell ist, gibt es doch einige Faustregeln. Die Finanzierung sollte auf einem soliden Fundament stehen. Dazu zählen klassischerweise Eigenkapital, Hypothekendarlehen und Bausparvertrag. Auf jeden Fall sollte man sich die historisch niedrigen Zinsen langfristig mit einer Zinsfestschreibung sichern. Darüber hinaus empfehle ich meinen Kunden, das günstige Zinsniveau zu nutzen, um die Kredite schneller zu tilgen. Zwei oder sogar drei statt ein Prozent Anfangstilgung verkürzen die Laufzeit der Immobilienfinanzierung und verbilligen die Finanzierung deutlich.

Welche Rolle spielt das Eigenkapital?

Wenke Holzgrewe: Je mehr Eigenkapital in die Finanzierung einfließt, desto geringer sind die Zinskosten. Die Summe aus Tages- und Festgeldkonten, Sparguthaben, Wertpapieren, Fonds und Bausparguthaben bildet das Eigenkapital. 20 bis 30 Prozent Eigenkapital sind erfahrungsgemäß eine solide Grundlage.