Wo Digitalisierung Ehrfurcht erzeugt

Was bewegt eine überörtliche Gemeinschaft für diagnostische und interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin in Sachen Fortschritt? Diplom-Physiker Dr. Harald R. Krüger, Geschäftsführer der Diranuk GbR, gibt Auskunft.

Dr. Harald R. Krüger, Geschäftsführer der DIRANUK GbR

In der Eingangshalle der DIRANUK in der Feilenstraße 1 in Bielefeld stolpert der Besucher geradezu über den Fortschritt. Ein Pylon aus Anlass des Jubiläumsjahres zum 800-jährigen Bestehen der Leineweberstadt erinnert an die Wurzeln der Praxis und zieht die Gedanken des Betrachters in die Vergangenheit. Genauer in das Jahr 1955. Die heutige überörtliche und fachübergreifende  Gemeinschaft für diagnostische und interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin DIRANUK GbR entwickelte sich langjährig aus Praxiszusammenschlüssen in Bielefeld, Gütersloh und Bad Salzuflen. Ursprung war 1955 die Gründung einer Röntgenpraxis Dr. Friedrich Gerhardt in der Victoriastraße in Bielefeld. Bedeutende Praxen, die mit Gründernamen wie Dres. Timm, Stuckenholz, Hünerhoff, Pfeiffer, Mariß, Teipel, Lumiani und Chahine verbunden sind, fließen in der DIRANUK zusammen. Ein fortschrittlicher Entwicklungsprozess, der früh gesundheitspolitischen Neuorientierungen entsprach – Kollegialität und Synergie statt Konkurrenz und Unwirtschaftlichkeit.

Fortschritt ist etwas, was die DIRANUK mit ihrem Geschäftsführer, dem diplomierten Medizinphysiker Dr. Harald R. Krüger, bewegt. Die Gesellschaft vereint heute 40 hoch qualifizierte Fachärzte für Radiologie, Nuklearmedizin, Kardiologie und Rheumatologie, davon 21 Gesellschafter und 19 angestellte Ärzte. 260 Mitarbeiter kümmern sich um ein Versorgungsgebiet mit rund 750.000 Einwohnern. Insgesamt führt die Praxis pro Jahr 250.000 Untersuchungen bei 85.000 Patienten durch. Mit acht Standorten in Bielefeld, Bad Salzuflen, Gütersloh und Bünde folgt die DIRANUK  konsequent dem Prinzip der Regionalität.

Die Standorte unterscheiden sich in der fachlichen Ausrichtung, arbeiten aber fachübergreifend zusammen. Beispielhaft stehen die interventionelle Kardiologie und Angiologie, die KARD-MRT, die Kernspintomographie für Patienten mit implantierten Herzschrittmachern oder Defibrillatoren und die CT-gesteuerte minimalinvasive Schmerztherapie. Ergänzt wird das Praxisnetz durch die ambulante und stationäre Verzahnung über Kooperationen wie die Führung der Klinik für Nuklearmedizin am  Klinikum Bielefeld. Eine völlig neue Kooperationsqualität gelang durch die gemeinsame Arbeit mit einer Vielzahl regionaler Kliniken im Bielefelder PETCT- Zentrum der DIRANUK. Wir führen die Praxis wie eine ortsübergreifende Gemeinschaftspraxis“, sagt Dr. Krüger. Eine durchdachte Organisation ist für den Geschäftsführer die Voraussetzung dafür, dass sich die Fachärzte voll auf ihre medizinische Arbeit konzentrieren können. Alle Standorte sind über ein großes gemeinsames EDV-System vernetzt, die einzelnen bildgebenden Systeme herstellerkonform. So entstehen in sich geschlossene Welten, in denen Ärzte und Mitarbeiter mit hoher Flexibilität tätig werden können. Jeder Mitarbeiter kennt sich überall aus und kann ohne Weiteres eine Vertretung an einem anderen Standort übernehmen. Und auch die Materialwirtschaft ist über ein System geregelt. Untersucht  wird bei Bedarf von 7:00 bis 20:00 Uhr, auch samstags. „Das alles macht das Gesamtsystem effizienter und sichert eine Grundversorgung auf Spitzenniveau“, sagt Dr. Krüger. Wenn es um den  Fortschritt bei DIRANUK geht, legt der Geschäftsführer großen Wert auf das fachübergreifende „Konsil“. Er selbst diskutiert mit den Ärzten über die methodische und technische Ausrichtung der DIRANUK und regt immer wieder den kollegialen Austausch mit anderen Fachdisziplinen an.

Röntgendiagnostik und -therapie, interventionelle Radiologie, Mammographie, Sonographie, Computertomographie, Kernspintomographie, Nuklearmedizin einschließlich PET-CT, Radiojodtherapie und Radiosynoviorthese – das Spektrum der Untersuchungs und Behandlungsmethoden der DIRANUK spiegelt die gesamte Breite des Fortschritts auf ihren  Fachgebieten wider.

Dr. Krüger ist seit 1975 in der Medizin tätig und hat – ausgehend von der analogen Röntgentechnik und der damit verbundenen Filmentwicklung – echte Quantensprünge in der Radiologie und der Nuklearmedizin miterlebt. „Eine unglaubliche Entwicklung“, wie er sagt. „Das Wichtigste war die  Digitalisierung der Radiologie und Nuklearmedizin, sozusagen die Grundlage für alles. Sie war  entscheidend für den enormen Zuwachs an diagnostischen Möglichkeiten.“ Ende der Sechzigerjahre wurde die Computertomographie entwickelt, rund zehn Jahre später die Kernspintomographie in die medizinische Praxis eingeführt. „Wenn man sich klarmacht, dass die mathematischen Grundlagen dafür vor etwa 200 Jahren durch Jean Baptiste Fourier und 1917 durch Johann Radon beschrieben wurden, dann wird zunächst die lange Vorlaufzeit dieses Fortschritts bewusst. Nach der medizinischen Verfügbarkeit dieser Verfahren beschleunigten sich deren Einsatzmöglichkeiten rasant. Mit zunächst rein morphologischer Organdarstellung über Funktionsdiagnostik zur heutigen molekularen Bildgebung lässt sich die Entwicklungsdynamik beschreiben. Dahinter steckt die Leistung außergewöhnlicher Naturwissenschaftler, Ingenieure und Mediziner. Beim Anblick dieser brillanten Bilder wird man sehr ehrfürchtig.“

In den letzten drei Jahren hat die DIRANUK, die auch mit dem „Bankverein Werther“ zusammenarbeitet, alle Praxissitze nach dem heutigen Stand der radiologischen und  nuklearmedizinischen Technik neu ausgestattet. 3 Tesla-MRT, hochzeilige Low Dose High Resolution-CT, volldigitale Röntgendiagnostik, modernste Hybridverfahren wie PET-CT oder SPECT-CT, Tomosynthese in der Mammographie oder die Nutzung von CAD-Systemen (computer-aided design) zur Mamma- und Prostatadiagnostik gehören heute zur DIRANUK.

Bei allem Fortschritt und dem Trend, die Medizin noch effektiver zu machen, mahnt Dr. Krüger den verantwortungsbewussten Umgang damit an. „Strahlung sollte nur bei einer rechtfertigenden Indikation zum Einsatz kommen.“ Er geht davon aus, dass sich die diagnostischen Möglichkeiten noch weiter verbessern. „Wir dürfen allerdings die therapeutische Relevanz dabei nicht aus den Augen verlieren.“ Letztlich gehe es darum, jeden Fortschritt auch nach den humanistischen Grundwerten zu beurteilen. „Wir müssen weg von der Wertegläubigkeit. Fortschritt braucht vor allem auch sachlich korrektes kritisches Hinterfragen.“