Alternativen in der Nullzins-Ära

Rentenmarkt – Anleihen als Sicherheitsbasis bei Niedrigzinsen?

Anleger werden mit solchen Sätzen schnell einmal aufs Glatteis geführt. Denn ein Blick zurück auf die letzten Wochen zeigt, dass kurzfristig sehr wohl auch am Rentenmarkt hohe Schwankungen herrschen können. Nachdem Donald Trump überraschend die Wahlen um das US-Präsidentenamt gewann, folgte keine Flucht in die Sicherheit, sondern ein Zinsanstieg.

Mit der Aussicht auf ein umfassendes Konjunkturprogramm, das das Wachstum in den USA erhöhen und neue Jobs schaffen soll, und der Ankündigung, die Unternehmenssteuern zu senken, erhält der zukünftige US-Präsident Vorschusslorbeeren der Marktteilnehmer. Die weltweiten Zinsen stiegen insbesondere am langen Ende der Zinskurven. Ein Blick auf den folgenden Kurschart zeigt die erste Gegenbewegung der zehnjährigen Anleihen-Rendite des Bundes. Die Kurse dieser langlaufenden festverzinslichen Wertpapiere rutschten daraufhin an die vier Prozent ins Minus.

Rendite 10-jährige Bundesanleihe in Prozent

Folglich können Anleihen im langen Laufzeitenbereich nicht mehr als „Sicherheitsbaustein“ fungieren, sondern erhöhen gegebenenfalls noch die Schwankungsbreite der Gesamtanlage. Als Lösung und mögliche Alternative in der Nullzins-Ära bieten sich zum Beispiel Anlagezertifikate an, die einen aktienähnlichen Charakter aufweisen.

Warum sind Anlagezertifikate sinnvoll?

Anlagezertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, die von einer Bank, der sogenannten Emittentin, herausgegeben werden. Zertifikate sind in der Wertentwicklung sowie in der Zinszahlung und Rückzahlung an die Entwicklung eines Basiswertes, wie zum Beispiel einer Aktie oder eines Indexes gekoppelt. Die Beimischung von Zertifikaten kann in einem Portfolio durchaus sinnvoll sein, um – gerade auch in „Seitwärtsmärkten“ – auskömmliche Renditen zu erwirtschaften. Denn in der gegenwärtigen „Nullzinsphase“ reichen Sparbücher, Tages- und Festgelder als alleinige Anlageform vielfach nicht mehr aus. Vielmehr bestimmen die Anlagestruktur und die gezielte Nutzung von Chancen verschiedener Anlageklassen den Erfolg.

Überblick über Zertifikate-Strukturen

Bei der Wertpapier-Beratung verfolgt die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold grundsätzlich den Ansatz der offenen Produktarchitektur. In der derzeitigen Marktsituation konzentriert sich die Auswahl bei Zertifikaten im Wesentlichen auf folgende zwei Grundtypen:

1. Klassische Discountzertifikate
Klassische Discountzertifikate gehören mittlerweile zum Standard des Anlagespektrums. Dies gilt nicht nur für professionelle Berater und Vermögensverwalter, sondern auch für den Privatanleger. Der Anlagehorizont mit einer ausgewählten Laufzeit von meist neun bis fünfzehn Monaten hat eher kurzfristigen Charakter. Bei entsprechend positiver Entwicklung des zugrunde liegenden Basiswertes kann das Discountzertifikat sogar über einen liquiden Zweitmarkt vor Fälligkeit veräußert werden.

2. Memory-Express-Zertifikate
Memory-Express-Zertifikate bieten häufig bereits nach einem Jahr die Möglichkeit einer vorzeitigen Rückzahlung, kombiniert mit der Chance auf Bonuszahlungen. Die Anlagedauer kann je nach Ausgestaltung aber auch bei fünf bis sechs Jahren liegen. Dabei steht eher eine Buy-and-Hold-Strategie im Vordergrund.

Beide Varianten, sowohl Discount- als auch Memory-Express-Zertifikate, können einzeln oder auch in Kombination einen sinnvollen Baustein bei der erfolgreichen Vermögensstrukturierung darstellen.

Bei der Auswahl des Zertifikates ist immer auch die Bonität des Emittenten zu berücksichtigen. Eine Orientierung bei der Einschätzung der Bonität bieten die Einstufungen durch führende Ratingagenturen wie Fitch, Moody´s oder S&P. Grundlage für die Ermittlung des Ratings ist in der Regel die Analyse der gesamtwirtschaftlichen Situation des Landes, der jeweiligen Branche sowie die individuelle wirtschaftliche Situation des Emittenten.

Discountzertifikat im Detail

Discountzertifikate verbriefen den Anspruch, an der Kursentwicklung einer Aktie oder eines
anderen Basiswertes teilzuhaben. Dabei ermöglichen sie etwas, das sich Anleger grundsätzlich wünschen: Sie können gleichsam einen Basiswert für weniger als den aktuellen Kurs erwerben. Der Abschlag kann wenige Prozent ausmachen oder sogar über 50 Prozent betragen. Auf diese Weise können sich die Anleger gegen moderat fallende Kurse des Basiswerts absichern. Allerdings verzichten sie dabei auf unbegrenzt hohe Gewinne: Discount-Zertifikate verfügen immer über eine Kappungsgrenze, den „Cap“-Kurs. Über den Cap hinaus partizipiert der Anleger nicht an höheren Kursen.

Renditechancen
Discountzertifikate sind so ausgestattet, dass der Anleger in der Regel den Kurswert des Basiswertes am Fälligkeitstag – bis maximal zur Kappungsgrenze – erhält. Eine Rückzahlung durch eine „Lieferung des Basiswertes“ erfolgt meist nicht. Die Höhe des Gewinns hängt unter anderem von der Höhe des Risikopuffers ab: Je höher der Discount, desto geringer fällt die maximal mögliche Rendite aus. Auf diese Weise kann der Anleger selbst die Zielrenditen gemäß seiner Risikoneigung auswählen. Dividenden werden nicht gezahlt. Stark sinkende Kurse des Basiswertes können Verluste einbringen.

Einsatz im Portfolio
Discount-Papiere sind ein gutes Instrument zur Reduzierung von Risiken, während sie gleichzeitig attraktive Renditechancen ermöglichen. Durch den vergünstigten Einstiegspreis erzielt der Anleger schon Gewinne, wenn die Märkte nur seitwärts tendieren. Zudem kann der Anleger bei der Auswahl des Caps noch zusätzliche Vorsicht walten lassen:

Seitwärts tendierende Märkte: In dieser Situation kann der Anleger einen Cap in der Nähe oder knapp unterhalb des augenblicklichen Kurses des Basiswerts wählen. Mit dieser Strategie können hohe Renditen erzielt werden, gerade bei stagnierendem Kursverlauf des Basiswertes.

Abwärts tendierende Märkte: Der Anleger investiert in Discount-Papiere mit einem Cap, der weit unter dem augenblicklichen Kurs des Basiswerts liegt. Selbst mit einem Risikopuffer von über 50 Prozent lassen sich grundsätzlich noch interessante Renditen im Vergleich zu den Rentenmärkten erzielen.

Memory-Express-Zertifikat im Detail

Das Memory-Express-Zertifikat ist ein Wertpapier, das die Chance auf Bonuszahlungen mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Rückzahlung abhängig von der Kursentwicklung des EURO STOXX 50 (Basiswert) kombiniert. Die Rückzahlung am Rückzahlungstermin hängt vom Referenzpreis (Schlusskurs des Indexes am letzten Bewertungstag) ab.

Am jeweiligen Bonuszahlungstag wird ein Bonus (zum Beispiel fünf Prozent) auf den Nominalbetrag (100,00 Euro) gezahlt, sofern der Index am entsprechenden Bewertungstag auf oder über der Barriere (festgelegter Indexstand) schließt. In diesem Fall wird die Bonuszahlung auch für diejenigen Bonuszahlungstage nachgeholt, für die bisher kein Bonus gezahlt wurde („Memory-Mechanismus“).

Liegt der Schlusskurs des Indexes an einem Bewertungstag nicht nur über der Barriere, sondern auch auf oder über dem jeweiligen vorzeitigen Rückzahlungslevel (festgelegter Indexstand oberhalb der Barriere), wird am entsprechenden vorzeitigen Rückzahlungstermin außerdem der Nominalbetrag zurückgezahlt.  

Beispielhafte Funktionsweise/Szenariobetrachtung

Wird das Zertifikat nicht vorzeitig zurückgezahlt, hängt die Rückzahlung am Rückzahlungstermin vom Referenzpreis (Schlusskurs des Indexes am letzten Bewertungstag) ab.

Liegt der Referenzpreis …

  • auf oder über der Barriere, erfolgt die Rückzahlung zum Nominalbetrag.
  • unter der Barriere, erfolgt die Rückzahlung zum Referenzpreis multipliziert mit dem
    Bezugsverhältnis (100,00 Euro geteilt durch den Startwert) in Euro. In diesem Fall beginnt die Verlustpartizipation ausgehend vom Startwert und beträgt somit mindestens 40 Prozent.

Das Zertifikat richtet sich an Anleger, die davon ausgehen, dass der Schlusskurs des
EURO STOXX 50 am letzten Bewertungstag auf oder über der Barriere liegt. Anleger
nehmen eine Begrenzung ihres Ertrages in Kauf.

Kursentwicklung während der Laufzeit
Der Wert eines Memory-Express-Zertifikates kann während der Laufzeit insbesondere durch die nachfolgend genannten marktpreisbestimmenden Faktoren in der Regel fallen und dann auch deutlich unter dem Erwerbspreis liegen. Eine Veräußerung unter diesen Bedingungen führt zum Kapitalverlust.

  • Der Kurs des Index fällt.
  • Die Volatilität (Kennzahl für die Häufigkeit und Intensität der Preisschwankungen des Basiswerts innerhalb eines bestimmten Zeitraums) steigt.
  • Die erwarteten Dividendenzahlungen der im Index enthaltenen Aktien steigen.
  • Das allgemeine Zinsniveau steigt.
  • Der Refinanzierungszinssatz des Emittenten steigt.
     

Umgekehrt können die marktpreisbestimmenden Faktoren wertsteigernd auf das Zertifikat wirken. Die einzelnen Faktoren können jeder für sich wirken, sich gegenseitig verstärken oder aufheben.

Memory-Express-Zertifikat plus – im Detail

Das Memory-Express-Zertifikat plus ist von der Gestaltung und Funktionsweise her nahezu identisch mit dem zuvor besprochenen Wertpapier. Die Höhe der Bonuszahlung pro Laufzeitperiode liegt allerdings unterhalb des vergleichbaren Memory-Express-Zertifikates. In dem dargestellten Beispiel hat der Anleger bei der Plus-Variante eine Chance auf zwei Prozent Bonuszahlung pro Laufzeitperiode. Die Besonderheit der Plus-Variante zeigt sich dafür am Laufzeitende.

Liegt der Referenzpreis dabei nämlich unter der Barriere, erfolgt die Rückzahlung zum Referenzpreis multipliziert mit dem Bezugsverhältnis (100,00 Euro geteilt durch die Barriere) in Euro. Dies bedeutet, dass der Anleger in diesem Fall so gestellt wird, als hätte er zum Niveau der Barriere und nicht zum Startwert in den Index investiert. Die Verlustpartizipation beginnt somit beispielhaft erst bei 50 Prozent des Startwertes!  

Beispielhafte Funktionsweise/Szenariobetrachtung

Somit kann auch diese Variante eine sehr gute Ergänzung in einem breit strukturierten Portfolio darstellen.

Keine Beratung/Anlageempfehlung:

Die auf diesen Internet-Seiten der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes dar. Die hier bereitgestellten Dokumente/Informationen können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Investitionsentscheidung bzgl. irgendwelcher Wertpapiere, Terminkontrakte oder sonstiger Finanzinstrumente sollte auf Grundlage eines Beratungsgespräches sowie gegebenenfalls der Prospektdokumentation oder eines Informationsmemorandums erfolgen.

Die vollständigen Angaben zu den Wertpapieren oder Finanzinstrumenten, insbesondere zu den verbindlichen Bedingungen, Risiken sowie Angaben zur Emittentin können dem jeweiligen Prospekt entnommen werden.

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