Die häufigsten Pflege-Irrtümer

Wunsch und Wirklichkeit driften beim Thema Pflege oft auseinander. Ich bin noch jung, ich brauche keine Absicherung? Irrtum. Sigrid Peine, Beraterin in der Volksbank-Filiale Bismarckstraße in Detmold, über die häufigsten Pflege-Irrtümer.

Frau Peine, ist eine Pflege-Versicherung nicht nur etwas für ältere Menschen?

Sigrid Peine: Jeder Mensch kann zum Pflegefall werden, sei es durch einen Unfall oder eine Krankheit. Ab dem 30. Lebensjahr wird beispielsweise jeder zweite Mann im weiteren Leben pflegebedürftig, bei Frauen sind es drei von vier. Hier macht sich die um fünf Jahre höhere Lebenserwartung der Frauen bemerkbar. Bei Ehepaaren liegt die Wahrscheinlichkeit, dass einer von beiden zum Pflegefall wird, somit bei mehr als vier Fünftel. Jeder sechste Pflegebedürftige ist heute jünger als 65 Jahre.

Die Zeit der Pflege ist doch wahrscheinlich eher kurz. Ist da eine Vorsorge wirklich nötig?

Sigrid Peine: Auf jeden Fall, schließlich kann die Pflege mehrere Jahre nötig sein. Durchschnittlich rund fünf Jahre sind es laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge bei Frauen, rund vier Jahre bei Männern.

Kommt im Fall der Fälle nicht die gesetzliche Pflegeversicherung für die Kosten auf?

Sigrid Peine: Leider reicht die gesetzliche Pflegeversicherung bei Weitem nicht aus. Sie deckt in der Regel allenfalls die Hälfte der Kosten einer professionellen Pflege. Je nach Versorgungsart und Pflegestufe fehlen bei professioneller Pflege durchschnittlich zwischen 450 und 1.950 Euro monatlich, die dann privat zu finanzieren sind. Und das können sich die wenigsten auf Dauer leisten, wie die Fakten zeigen. Knapp jeder sechste Pflegebedürftige in Deutschland benötigt Sozialhilfe. Denn Pflege kostet: Bei einer monatlichen Versorgungslücke von beispielsweise 1.500 Euro müssen 18.000 Euro pro Jahr selbst getragen werden. Übrigens versuchen Sozialämter grundsätzlich, sich das Geld zurückzuholen und prüfen daher immer, ob nahestehende Familienangehörige unterhaltspflichtig sind. Das können Ehe- oder Lebenspartner, Kinder und Eltern sein.

Was raten Sie Ihren Kunden, um die finanzielle Lücke zu schließen?

Sigrid Peine: Eine private Vorsorge hilft, die Versorgungslücke zu verringern. Auch der Gesetzgeber hat die Notwendigkeit einer privaten Absicherung für den Pflegefall erkannt. Daher fördert er die Eigenvorsorge mit einer staatlich bezuschussten privaten Pflege-Zusatzversicherung – dem so genannten „Pflege-Bahr“.

Jeder ab 18 Jahre, der in der gesetzlichen Pflegeversicherung ist und daraus noch keine Leistungen bezieht oder bezogen hat, kann die „Pflege-Bahr-Versicherung“ abschließen. Wer mindestens zehn Euro pro Monat einzahlt, bekommt vom Staat fünf Euro dazu (60 Euro pro Jahr).

Doch Vorsicht: Auch die „Pflege-Bahr“ ist meist nur eine private Basis-Absicherung. Sie verkleinert nur die Versorgungslücke im Pflegefall, kann diese aber in der Regel nicht schließen. Wer sich für den Pflegefall finanziell umfassender absichern möchte, für den bietet die R+V zusätzlich die klassischen privaten Pflegetagegeld-Tarife aus dem bewährten R+V-Pflegekonzept an.