Der sechste Sinn des Unternehmers

Martin und Monika Knorrenschild bewahren die langjährige Tradition ihres Familienunternehmens.

In den vergangenen 400 Jahren ist aus der ehemaligen Dorfschmiede in Neuenheerse ein stattlicher Handwerksbetrieb gewachsen. Der heutige Inhaber Martin Knorrenschild betätigt sich neben der Unternehmensführung in mehreren Ehrenämtern. Der Gemeinsinn macht sich bezahlt: Er hilft Knorrenschild, sein Unternehmen auf Erfolgskurs zu halten.

Die Flöhe husten zu hören, ist für Martin Knorrenschild extrem wichtig. Mit dieser Methode führt er seinen traditionellen Handwerksbetrieb in Neuenheerse. Der „Flohhusten“ besteht oft aus Informationen, die Knorrenschild in seinen Ehrenämtern bekommt. Er ist Obermeister der Metall-Innung Höxter-Warburg, sitzt im Beirat der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold und betätigt sich als Vorstand im Fachverband Metall NRW. So husten ihm die Flöhe mal, dass es in wenigen Monaten eine neue DIN-Norm geben wird oder sich eine neue Produktionstechnik verbreitet, die er sich unbedingt einmal genauer anschauen sollte. „Um als Unternehmer erfolgreich zu sein, muss man einen sechsten Sinn für Informationen haben“, sagt Knorrenschild.

Diesen Sinn scheinen bereits viele Knorrenschilds gehabt zu haben. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über den Handwerksbetrieb der Familie stammen aus dem Jahr 1824. Doch es gibt Hinweise darauf, dass der Betrieb in der Region bereits seit über 400 Jahren besteht: Die Dorfschmiede in Neuenheerse versorgte damals die Einheimischen mit Werkzeug für Landwirtschaft und Jagd und mit Kochtöpfen für den Haushalt. Generationen von Knorrenschilds gaben die Handwerkskunst an die nachfolgende Generation weiter und trugen ihren Teil dazu bei, den Betrieb weiterzuentwickeln. Auch Martin Knorrenschild, der das Unternehmen im Jahr 1993 von seinem Vater übernahm, baute ihn weiter aus. Heute ist der Metallbaubetrieb auf Geländer, Vordächer und Stahlkonstruktionen spezialisiert. Auch wenn sich der Produktkatalog des Unternehmens gewandelt hat – die ehemalige Dorfschmiede ist der Region treu geblieben.

Metallbau Knorrenschild lebt von dem engen Kontakt mit den Betrieben in den Kreisen Höxter und Paderborn und darüber hinaus. Zu manchen unterhält das Unternehmen bereits seit Jahrzehnten Geschäftsbeziehungen. Zum Beispiel handeln die Knorrenschilds mit dem Industrie- und Handwerksgroßhandel „Ullner u. Ullner“ aus Paderborn schon seit über 60 Jahren. „Es ist ein stetiges Geben und Nehmen“, sagt Knorrenschild. „Mal bin ich Kunde bei Ullner, mal ist Ullner Kunde bei mir.“ Man hilft sich, hat ein offenes Ohr für die Probleme des anderen. Das Netzwerk der Betriebe ist eine eingeschworene Gemeinschaft.

Jemals aus der Region wegziehen? Nein, das konnte sich Knorrenschild nie vorstellen. Er findet in der Region alles, was er braucht. Und damit sein Unternehmen auch in Zukunft weiter vor Ort erfolgreich bleibt, festigt er den Standort Ostwestfalen. So verbindet ihn seit mehreren Jahren eine enge Kooperation mit der Realschule Bad Driburg und seit kurzem auch mit der Gesamtschule im Ort. Durch die Schulkooperationen können die Schüler bei Knorrenschild Praktika absolvieren. Und beim Girls’ Day begeistert der Unternehmer Mädchen für das Handwerk. Mit diesem Einsatz schafft es Knorrenschild, trotz des Fachkräftemangels Auszubildende für sein Unternehmen zu gewinnen. In dem 16 Mann starken Betrieb macht zurzeit ein Lehrling seine Ausbildung zum Metallbauer. Im August dieses Jahres kommt ein weiterer hinzu.

So trägt Knorrenschild zum Wohlstand der Wirtschaftsregion bei. Denn seine Heimat liegt ihm am Herzen. „Dort, wo man lebt und arbeitet, muss man sich wohlfühlen“, sagt er und trägt dabei ein Lächeln auf dem Gesicht. Die regionale Verbundenheit fordert er auch von seiner Bank. Klar, er könnte auch bei einer internationalen Großbank sein Konto führen. Doch  Knorrenschild schätzt die regionale Nähe, die ihm die Volksbank und sein Betreuer Kurt Möhle bieten. So muss er nur wenige Meter die Straße hinunterlaufen, schon steht er vor der Volksbank-Filiale in Neuenheerse. „Manchmal brauchen wir den direkten Draht zu unserer Bank vor Ort“, sagt er. „Etwa, wenn wir eine Überweisung tätigen und sofort eine Eingangsbestätigung brauchen.“

Auch Knorrenschilds Kinder bleiben der Region treu. Beide machen derzeit eine Ausbildung bei befreundeten Betrieben in der Nachbarschaft. Und Martin Knorrenschild hofft, dass er den Familienbetrieb in einigen Jahren an seine Nachkommen übergeben kann. Und dass dann seine Kinder die Traditionen des Unternehmens weiterleben werden. Ganz im Sinne der Ahnen.