Gelebtem Leben einen Sinn geben

Mit dem Wohnpark „Zeit für Pflege“ hat sich Familie Rochell in Willebadessen ihren Unternehmertraum erfüllt, alten Menschen wieder einen Lebenssinn zu geben und sie würdevoll bis zum Tod zu begleiten. Der Weg dahin war steinig und wäre ohne die Hilfe der Volksbank versperrt gewesen.

Einfach war es für Familie Rochell aus Willebadessen nicht, ihren Traum zu verwirklichen: Als Hartmut Rochell entschied, von Landwirt und Handwerker auf Altenpfleger umzuschulen, war er bereits Anfang 40, hatte zwei Kinder und musste pro Monat 400 Mark Schulgeld bezahlen. Seine Frau Ursula übernahm in dieser Zeit die finanzielle Versorgung der Familie. Das Wagnis der Umschulung lohnte sich, denn Hartmut Rochell hat ein Händchen für den Pflegeberuf. Er ist einfühlsam und verständnisvoll, möchte sich für die Menschen und ihre Geschichten Zeit nehmen. Schon bald nach seiner Umschulung gründete er einen ambulanten Pflegedienst und einige Jahre später stand fest, dass das Familienunternehmen weiter expandieren sollte. Familie Rochell wollte eine vollstationäre Pflegeeinrichtung in Willebadessen bauen, um mit Liebe und Fürsorge alten Menschen den Lebenssinn wiederzugeben.

Doch dann kam die Katastrophe: Kurz vor der Grundsteinlegung versagte die damalige Hausbank der Rochells den Finanzierungskredit. Die Gründe sind bis heute nicht geklärt, doch der Traum vom privaten Pflegeheim schien auf den letzten Metern geplatzt. „Erst einmal mussten wir den Schock verkraften“, sagt Ursula Rochell. „Dann schauten wir uns nach anderen Banken um, denn Aufgeben ist nicht unsere Art.“ Ein Bekannter empfahl die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold. Wenige Tage später kam Volksbank-Betreuer Franz Josef Sigges vorbei. Er brachte Familie Rochell gute Neuigkeiten: Die Volksbank würde das Risiko eingehen und den Bau des Pflegeheims „Zeit für Pflege“ finanzieren. „Ohne die Volksbank und den Zuspruch des ehemaligen Vorstands H.-Hermann Doninger hätten wir es nicht geschafft, unseren Traum zu verwirklichen“, erinnert sich Ursula Rochell.

Den Rundumservice für alte Menschen kann Familie Rochell bieten, weil auch eine ambulante Pflegeeinheit zu ihrem Unternehmen gehört. „So können wir Menschen über Jahre hinweg begleiten“, sagt Verena Krelaus, Tochter des Ehepaars Rochell und zukünftige Geschäftsführerin des Wohnparks. Der erste Kontakt zum Heim entsteht nämlich oft über die ambulante Pflege. Sind die Kinder der alten Menschen verhindert, können die älteren Herrschaften in der Tages- oder Kurzzeitpflege für ein bis zwei Wochen unterkommen. Geht es dann irgendwann nicht mehr ohne eine Vollzeitpflege, bleiben die Pflegepatienten dauerhaft dort. Weil die Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung auch mit zur ambulanten Pflege fahren, kennen die Patienten die Pfleger schon jahrelang, wenn sie in das Heim ziehen. „So baut sich Vertrauen auf“, sagt Hartmut Rochell. „Wir leben hier mit Mitarbeitern und Bewohnern wie in einer Großfamilie zusammen.“

In diesem Familienverband führen die Bewohner ein ganz normales Leben. Die Vollzeitpflege hat 20 Betten, nur ein Viertel dessen, was große staatliche Einrichtungen oft bieten. „Wir wollen die Menschen nicht am Fließband pflegen“, sagt Hartmut Rochell. „Unsere Größe bietet uns die Möglichkeit, individuell auf die alten Menschen einzugehen.“ Jeder Altenheimbewohner dürfe so lange schlafen und abends so lange aufbleiben, wie er möchte. Und wegen der geringen Anzahl an Pflegeplätzen lernen sich die Bewohner besser kennen und sehen sich nicht nur einmal auf dem Flur und dann nie wieder wie in großen Pflegeeinrichtungen mit über 80 Betten. „Eine Angehörige hat hier bei uns im Heim sogar einen neuen Partner gefunden“, schwärmt Ursula Rochell.

Dass Ursula Rochells Angehörige wieder so sehr aufblühte, dass sie eine neue Liebe fand, hätte vor wenigen Jahren noch niemand für möglich gehalten. Nach dem Tod ihres Mannes war die Frau zunehmend vereinsamt, irgendwann so sehr, dass sie nicht einmal mehr das Haus verlassen wollte. „Unser Heim war für sie der richtige Ausweg“, sagt Familie Rochell einstimmig. Menschen bräuchten den Kontakt zu anderen Menschen, um in ihrem Leben Sinn zu finden.

Damit es zu zahlreichen Begegnungen zwischen den Heimbewohnern kommt, bietet Familie Rochell ein reichhaltiges Rahmenprogramm. Mit Gedächtnistraining, Ausflügen und Ergotherapie bleiben die Rentner rüstig. So genannte Hochbeete, die den Bewohnern das Gärtnern auch im Rollstuhl erlauben, sind bei den alten Menschen besonders begehrt. So freuen sie sich schon sehr auf den Sommer, wenn sie wieder Gemüse anpflanzen und Unkraut jäten können, sagt Hartmut Rochell. Die Hochbeete und eine Vogelvoliere sind Teil des jüngsten Projekts der Familie Rochell: ein Demenzgarten, in dem die Patienten ihre alten Leidenschaften wieder aufleben lassen sollen. Dort wird auch bald ein altes Motorrad stehen. Ein ehemaliger Kfz-Mechaniker und heutiger Heimbewohner soll an der Maschine basteln und dadurch wieder wahre Lebenslust finden.