Einbinden statt Ausgrenzen: Training für das Leben

Tim Eweler, Niederlassungsleiter Privatkunden, Bankverein Werther, Zweigniederlassung der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold eG

„Unsere Trainingsmatte ist beinahe 30 Jahre alt und bereits mehrfach geflickt. Es ist dringend erforderlich, eine neue (gebrauchte) anzuschaffen. Die Kosten liegen allerdings bei mehreren Tausend Euro. Da die Stadt Lage aufgrund der Haushaltslage auch kein Geld beisteuern kann, werden Förderer dringend gebraucht. Daher würden wir uns über eine Unterstützung aus dem Mitarbeiterwettbewerb sehr, sehr freuen!“ Mit dieser Botschaft hatte sich Tim Eweler, zweiter Vorsitzender des TuS Ehrentrup von 1928 e.V. sowie Leiter und Trainer der Ju-Jutsu-Abteilung, beim Volksbank-Mitarbeiterwettbewerb „Wir sind Heimat“ beworben. Die Botschaft kam bei der Jury an. Für seinen Verein, dem er seit 20 Jahren angehört, erhielt er 3.000 Euro für „vorbildliche Ansätze in der Kinder- und Jugendförderung“. Das Fördergeld der Volksbank soll in eine neue Ju-Jutsu-Matte investiert werden.

Vordergründig ist der TuS Ehrentrup ein Breitensportverein in Lage. Mitglieder können für 45 Euro Jahresbeitrag in der Gemeinschaft Tennis oder Tischtennis spielen, Ju-Jutsu trainieren, sich mit Leichtathletik, Turnen oder Nordic Walking beschäftigen. Doch der TuS hat mehr im Sinn als „Spiel, Sport und Spaß“, er versteht sich als sozial engagierter Verein. „Mitmachen und Handeln ist für uns Ehrensache, weil wir Verantwortung für die Region übernehmen wollen“, sagt Tim Eweler. Seit einigen Jahren bietet der TuS unter anderem in Zusammenarbeit mit der Bewährungshilfe Detmold auffällig gewordenen und sozial schwachen Kindern und Jugendlichen an, Ju-Jutsu zu erlernen und zu trainieren. „Allein die Vorstellung wäre für viele Sportvereine ein Graus“, sagt Eweler. „Wir sehen die Chancen für den Einzelnen und unsere Gesellschaft. Mit unserem Projekt verfolgen wir das Ziel, diese Kinder und Jugendlichen für den Sport zu begeistern und ihnen soziale Kompetenzen zu vermitteln. Beim Ju-Jutsu-Training lernen sie, ihre Aggressionen in fairen, geregelten Wettkämpfen abzubauen sowie Disziplin und den verantwortungsvollen Umgang miteinander.“ Ju-Jutsu – die „sanfte Kunst“ – ist ein modernes, offenes Selbstverteidigungssystem mit Elementenaus Jiu Jitsu, Judo, Karate, Aikidō und anderen Kampfsportarten. „Sanfte“ Techniken für mehr Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung statt Schläge und Tritte – dieses Konzept geht auch in Lage auf. „Ju-Jutsu hat viel mit Disziplin zu tun. Vieles ist nach Etikette geregelt, zum Beispiel müssen sich die Schüler vor dem Trainer verneigen. Wer sich hier nicht freiwillig unterordnet, hat schon verloren. Unser Cheftrainer, ein Sozialpädagoge und Bewährungshelfer, versteht es bestens, die Jugendlichen mitzunehmen und in die Gruppe zu integrieren“, erzählt Eweler.

Der 34-Jährige ist stolz auf seinen TuS und das, was er gemeinsam mit seinen Vereinskollegen in seiner Heimat bewegt. 500 Mitglieder hat der Verein heute, vor wenigen Jahren waren es noch 800. Der fehlende Nachwuchs ist auch in Lage ein Problem. Zu groß sei die Konkurrenz unter den Vereinen. Der Sinn für Gemeinschaft im Sportverein falle auch nicht mehr ins Gewicht. Doch Aushalten bringt nicht weiter. In diesem Jahr hat der TuS ein neues Projekt ins Leben gerufen, bei dem Mitglieder in den Lagenser Grundschulen ein Selbstbehauptungstraining anbieten. Eweler hofft, dass er über diesen Weg Kinder und Jugendliche für seinen Verein und seine Ju-Jutsu-Abteilung gewinnt. „Bis jetzt wird unser Angebot von den Schulen gut angenommen“, freut sich Eweler über die ersten Erfolge. Er ist davon überzeugt, dass sich die Investition in die neue Ju-Jutsu-Matte seines „Heimat-Vereins“ lohnen wird.