Ausstellung „1000 Jahre Münzen und Medaillen im Corveyer Land“

(v. l.) Vorstandsmitglied Rudolf Jäger und Münzexperte Arnold Schwede.

4. April bis 31. Juli 2014, Schloß Corvey

Die Anfänge der Münzsammlung der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold reichen bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurück. Seitdem wurde die Münzsammlung stetig erweitert, so dass heute Münzen der Antike, des Fürstbistums Paderborn, der Abtei Corvey, des Königreichs Westfalen,
der Stadt Wiedenbrück, der Grafschaft Rietberg, der Stadt Marsberg, des Königreichs Preußen, des Deutschen Reichs, der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik und selbstverständlich der Bundesrepublik Deutschland dazu zählen.

Die Sammlung zählt inzwischen zu den umfangreichsten ihrer Art. Wegen ihrer kulturhistorischen Bedeutung für die heimische Region wurde die Sammlung bereits vor Jahren in die Denkmalliste des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen. Der Antrag der Bundesrepublik Deutschland, Corvey
im Jahr 2014 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufnehmen zu lassen, ist ein gebührender Anlass, an historischer Stätte jene Münzen und Medaillen aus der heimatkundlichen Münzsammlung der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold zu präsentieren, die in einem Zeitraum von 1000 Jahren unmittelbar mit dem Corveyer Land und der Region in Verbindung standen. Die Ausstellung zeigt rund 200 Münzen und Medaillen der Corveyer Münzgeschichte aus der historischen Münzsammlung der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold.

Corveyer Münzgeschichte

Es begann im Jahre 833: Kaiser Ludwig der Fromme gestattete der Abtei Corvey am 1. Juni, abweichend vom bisherigen Münzmonopol des Kaisers, erstmals im eroberten Sachsen einen Markt abzuhalten, Zoll zu nehmen und eine Münzstätte einzurichten. Durch diesen Akt versuchte der Kaiser, der wirtschaftlichen Entwicklung des oberen Wesergebietes neue Impulse zu geben. Die mittelalterliche Corveyer Münzprägung erstreckte sich bis in das 14. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert änderten sich die Verhältnisse. 1476 schloss der Rat der Stadt Höxter mit dem Münzmeister einen Vertrag, der ihn zur Prägung städtischer höxterscher Münzen berechtigte. Der Vertrag sah die Prägung unterschiedlicher Münzen vor, die allerdings in der Münzsammlung der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold bisher fehlen.

Im 16. Jahrhundert begann die Corveyer Münzprägung der Neuzeit. Zwischen 1541 und 1566 prägte die Stadt während der Abbatiate der Äbte Münzen vom Taler bis zur Kleinmünze. Die Berechtigung hierzu war ihr durch ein vererbliches Pachtlehen durch die Corveyer Äbte übertragen worden. Von diesen Münzen, von denen zum Teil nur noch wenige Exemplare nachzuweisen sind, kann eine stattliche Anzahl gezeigt werden.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zog die Abtei trotz des Widerstandes der Stadt Höxter ihr vom Kaiser verliehenes Münzrecht wieder an sich und prägte ab 1606 bis zur Einstellung ihrer eigenen Münzprägung im Jahr 1787 eine stattliche Anzahl von Kupfer-, Silber- und Goldmünzen, die in großer Anzahl präsentiert werden. Ende des 18. Jahrhunderts war die Corveyer Münzprägung wirtschaftlich nur noch von geringer Bedeutung. Sie wurde eingestellt. Die Masse des umlaufenden Geldes stammte aus anderen deutschen Territorien.

Als Folge der Revolutionskriege mit Frankreich und der Zustimmung des Reichstages zum Reichsdeputationshauptschluss1803 verlor auch das Fürstbistum Corvey seine politische
Eigenständigkeit. Das Land fi el an den Fürsten von Oranien-Nassau. Mit dem Frieden von Tilsit änderten sich 1807 erneut die politischen Grenzen Europas. Preußen musste das Land zwischen Rhein und Elbe an den französischen Kaiser Napoleon abtreten. Aus den östlichen Teilen formte er das „Königreich Westphalen“. Es wurde im November 1807 konstituiert und der jüngste Bruder des Kaisers, Jérôme Bonaparte, zum König dieses Staatengebildes gekrönt.

Auch das Fürstentum Corvey zählte zum neuen Königreich. Die Herrlichkeit des Königreichs endete jedoch nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813. Für den Zahlungsverkehr innerhalb des Königreichs ließ der König eigene Münzen prägen. Sie wurden in deutscher und französischer Währung in den Münzstätten Kassel, Braunschweig, Clausthal und Paris geprägt, von denen eine kleine Auswahl in der Ausstellung präsentiert wird. Nach dem Ende des Königreichs Westphalen wurde Corvey 1815 königlich preußische Domäne und 1820 als Mediatfürstentum Eigentum des Landgrafen Viktor Amadeus von Hessen-Rotenburg. 1825 vererbte der Landgraf testamentarisch seine außerhessischen Gebiete, darunter Corvey, an seinen Neffen, den Erbprinzen Viktor zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Dieser „regierte“ ab 1840 als Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey über die Reichsgründung hinaus bis zum Jahr 1893. Sieht man von den Münzen des Königreichs Westphalen ab, so lief auch in Corvey nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 das preußische Geld als gesetzliches Zahlungsmittel um, das sich anfangs allerdings keiner großen Beliebtheit erfreute. Erst nach dem Untergang des Königreichs Westphalen konnte sich das preußische Geld nach und nach durchsetzen.

Seine Kursfähigkeit endete jedoch mit der Reichsgründung von 1871 und den folgenden Reichsgesetzen. Die Taler deutschen Gepräges verloren hingegen erst am 1. Oktober 1907 ihre
Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Auch preußische Münzen aus der Zeit von 1803 bis 1871 werden gezeigt.

Die Ausstellung im Barocksaal von Schloß Corvey ist vom 4. April bis 31. Juli 2014 täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr (im April von Dienstag bis Sonntag) zu sehen. Sonderführungen sind nach telefonischer Anmeldung unter Tel. 05271 694010 möglich.