„Gut leben statt viel haben“

Professor Dr. Horst W. Opaschowski spricht über die Zukunftswünsche der Deutschen

Günter Vogt (r.), stellvertretender Vorstandsvorsitzender, begrüßte „Mr. Zukunft“, Professor Dr. Horst W. Opaschowski, bereits zum dritten Mal bei der Volksbank in Detmold.

Detmold. Professor Dr. Horst W. Opaschowski ist ein gefragter Berater für Politik und Wirtschaft. Im In- und Ausland hat er sich als „Mr. Zukunft“ einen Namen gemacht. Am 29. September sprach der Sozialforscher beim Volksbank-Trendforum im Landestheater Detmold fundiert und objektiv über unsere Gesellschaft sowie deren Zustand und die Herausforderungen, die sich ihr zukünftig stellen. Wie wird sich die Welt bis 2030 verändert haben? Wie werden wir, wie wollen wir dann leben? Opaschowski erläuterte in seinem Vortrag, welche Entwicklungen nicht nur in Wirtschaft und Politik, sondern auch in Kultur, Bildung und Alltagsleben zu erwarten sind.

In Zeiten globaler politischer und wirtschaftlicher Instabilität gehe es den Deutschen vielmehr um „Stabilität und Sicherheit“ als um die „Steigerung materieller Werte“, berichtete der Referent. „Gut leben hat mehr mit ‚Wohlergehen‘ als mit ‚Wohlleben‘ zu tun. Die junge Generation lebt mehr im Gleichgewicht zwischen Leistung und Lebensfreude“, so Opaschowski. „In sozial und ökonomisch unsicheren Zeiten stößt das Immer-Mehr auch an seine psychologischen Grenzen, sodass die Menschen Wohlstand neu denken müssen: Sie gleichen ökonomische Wohlstandsdefizite durch Wohlstandsqualitäten in anderen Bereichen des Lebens aus – durch Familie, Freunde, Frieden und Freiheit.“ Dies seien die Bestimmungsfaktoren für Wohlstand und Lebensqualität im 21. Jahrhundert.

Die Sehnsucht nach Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit werde immer größer. „Dabei werden die Familie und soziale Netze zunehmend wichtiger. Die Drei-Generationen-Gesellschaft ist das Modell der Zukunft“, prophezeit der Hamburger Wissenschaftler, der seit Jahrzehnten regelmäßig die deutsche Bevölkerung zu ihren Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen befragt.

Laut Opaschowski biete die heutige Politik den Bundesbürgern keine Visionen und keine verlässlichen Planungen darüber, wie Deutschlands Zukunft von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft „gemeinsam gestaltet werden kann“. Der Sozialwissenschaftler wünscht sich einen „Zukunftsrat, der Richtlinien vorgibt“ und den Menschen erkläre, wie es um die Gesellschaft steht.

Ganz aktuell ging Opaschowski auf die Zuwanderung durch Flüchtlinge ein. „Bis 2060 wird ein Drittel der Bürger einen Migrationshintergrund haben. Wir erleben ein Jahrhundert der Integration. Nicht nur Zuwanderer, auch die Einheimischen müssen integriert werden“, so Opaschowski. Für ihn steht fest: „Toleranz wird in Zukunft zu einem wichtigen Standortfaktor.“

Den scharfsinnigen und gleichzeitig zum Nachdenken anregenden Vortrag verfolgten die rund 630 Gäste im Landestheater mit Begeisterung. Günter Vogt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Volksbank, freute sich über das große Interesse: „Es scheint, als ob wir mit unserem Thema wieder einen Trend unserer Zeit erkannt haben. Jedenfalls waren die Karten erneut innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Die Lipper sind einfach trendbewusst.“ Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern kommen in diesem Jahr dem Verein „Chance Ausbildung Lippe e. V.“ zugute.

 

05. Oktober 2015