Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen begeistert beim Freiberufler-Forum

(v.l.) Dr. Friedrich Keine, Mitglied des Vorstands der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen und Sigrid Marxmeier, Leiterin Freie Berufe der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold.

Paderborn. „Deutschland 2030 – eine Generationenbilanz“ – unter dieser Überschrift sprach Professor Dr. Bernd Raffelhüschen am 11. März vor rund 200 Gästen im VolksbankForum in Paderborn über versteckte Staatsschulden und die Konsequenzen des demografischen Wandels für die Nachhaltigkeit der sozialen Sicherung in Deutschland.

Pointiert und humorvoll brachte der Freiburger Finanzwissenschaftler den Ernst der Lage schnell auf den Punkt: „Das Problem ist längst da! Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer haben für zu wenig Nachwuchs gesorgt“, so Raffelhüschen. In Zukunft müssten zunehmend mehr Menschen immer länger von weniger Beitrags- und Steuerzahlern versorgt werden. Immerhin: „Greifen die Reformen in der Rentenversicherung, lässt sich eine Milderung der Belastungen für unsere Kinder ablesen. Die Kosten dafür tragen die zukünftigen Rentnerinnen und Rentner in Form eines spürbar gesenkten Rentenniveaus“, erklärte der Finanzwissenschaftler und mahnte: „Doch dann haben Sie ein Problem, das nicht Altersarmut heißt, sondern Sicherung des Lebensstandards.“

Der Hochschullehrer schreckte auch nicht davor zurück, sich selbst augenzwinkernd als „unsichtbare Staatsschuld“ zu bezeichnen. Schließlich stünde ihm, ebenso wie vielen Beamten in Deutschland, im Ruhestand eine staatliche Versorgung zu, die der deutsche Staat bei der Berechnung seiner Schulden ebenfalls nicht berücksichtige. In der Gesundheitsvorsorge und in der Pflegeversicherung sehe es noch dramatischer aus: „Wenn nichts unternommen wird, wird die Sozialabgabenquote deutlich über 60 Prozent liegen – dies werden sich die jüngeren Generationen sicherlich nicht gefallen lassen“, so Professor Bernd Raffelhüschen.

Berücksichtige man all diese impliziten Schulden, so liege die deutsche Staatsverschuldung „im realistisch optimistischen Fall bei 11 Billionen Euro.“ Deutlich mehr als die derzeit ausgewiesenen zwei Billionen Euro Staatsschuld. Eine Zahl, die beim anschließenden Get-together ebenso für Diskussionsstoff sorgte wie die interessanten Thesen des Redners.

 

 

13. März 2015