Mehr als 2.000 Mitglieder beim „Zinsenball“ in Höxter

  • Erneut überdurchschnittliches Wachstum im Kundengeschäft
  • Bilanzsumme überspringt fünf Milliarden Euro
  • Andreas Englisch blickt hinter die Kulissen des Vatikan

Waren stolz auf das große Interesse der Mitglieder (v. l.): Bernd Seibert, Vorsitzender des Aufsichtsrates, Vatikan-Korrespondent Andreas Englisch und Rudolf Jäger, Vorstandsmitglied.

Höxter. „Es ist Fußball-EM und trotzdem ist das Zelt voll. Das bedeutet, dass Sie echte Volksbank-Fans sind.“ So begrüßte Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Seibert die Gäste der Volksbank-Versammlung am 6. Juli in Höxter. Kurz nach dem Höxteraner Schützenfest erlebten mehr als 2.000 Gäste einen interessanten wie unterhaltsamen Abend. Dafür sorgten nicht zuletzt das Stahler Blasorchester von 1892 e.V. und der Vatikan-Korrespondent Andreas Englisch mit seinem Vortrag „Die Revolution im Vatikan – der Umbruch der größten Firma der Welt“.

Rudolf Jäger, zuständiges Vorstandsmitglied für den Kreis Höxter, begrüßte die Mitglieder mit einem Augenzwinkern zum „Zinsenball“. „Die stolze Teilnehmerzahl ist der Beweis dafür, dass Sie unserem Haus treu verbunden sind, uns einen Wert beimessen. Auch wenn der ,Zinsenball‘ – so wie die Veranstaltung früher genannt wurde – seinem Namen heute nicht mehr gerecht wird, weil es so gut wie keine Zinserträge mehr gibt.“

Jäger präsentierte den Mitgliedern in seinem Bericht eine Volksbank, die trotz widriger geldpolitischer Rahmenbedingungen erfolgreich ist und dynamisch wächst. Zu Beginn seines Vortrags fragte er in Anlehnung an den Jahresbericht der Volksbank, der unter dem Motto „Von Wert“ steht, was heute noch von Wert sei. In diesem Zusammenhang zitierte Jäger den früheren Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Emnid, Klaus-Peter Schöppner, zum Thema „Werte und Wandel“: „Die alten Wertemuster, auf die sich unsere Gesellschaft committet hatte, gelten nicht mehr. Immer, wenn sich eine Gesellschaft um den richtigen Weg streitet, herrscht ein Klima der Verunsicherung.“

Rudolf Jäger appellierte an die Mitglieder: „Ich hoffe, dass Sie uns als Ihre Heimat-Bank in diesem ,Zeiten-Wandel‘ als so etwas wie eine Konstante empfinden, auch wenn wir selbst unter alles andere als konstanten, verlässlichen Rahmenbedingungen arbeiten müssen. Die fatalen Auswirkungen der Niedrigstzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die wachsenden Anforderungen des Aufsichtsrechts und die überbordende Regulatorik sowie die immer schneller fortschreitende Digitalisierung bestimmen mehr denn je die Tagesordnung und stellen ganze Geschäftsmodelle auf den Prüfstand.“

Mit der Zinssenkung auf Null, der Erhöhung der Strafzinsen sowie vielen weiteren Maßnahmen wie beispielsweise dem enormen Anleihekaufprogramm hätten Europas Währungshüter zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche massiv nachgelegt. „Die EZB will die Kreditvergabe der Banken ankurbeln, was wiederum die Wirtschaft in Fahrt bringen und die Preise antreiben soll. Allerdings haben die niedrigen Zinsen gerade in Ländern wie Griechenland, aber auch Portugal und Frankreich bislang nicht zu steigenden Investitionen geführt. Und es ist fraglich, ob sie diesen Effekt haben werden, solange die strukturellen Probleme dort nicht behoben sind“, machte Jäger deutlich. „Noch mehr Geld, noch niedrigere Zinsen – Fakt ist: Die EZB verschärft mit ihrer ultra-lockeren Geldpolitik die finanzielle Repression immer weiter. Darunter leiden Sie, die Sparer, die Banken, die Versicherungen, die Bausparkassen, aber auch die Unternehmen. Der Niedrigzins betrifft alle.“ In den letzten Monaten sei in den Medien viel über den Negativzins für den normalen Sparer diskutiert worden. „Für uns kann ich hier nur betonen: So ohne Weiteres wird der Negativzins nicht zur Normalität. Und natürlich werden wir alles dafür tun, um den Negativzins für Sie, liebe Mitglieder, zu vermeiden. Anders stellt sich die Situation natürlich bei Großeinlagen/Millionenbeträgen dar. Dafür müssen wir die erwähnten 0,4 Prozent zahlen. Und die müssen wir dann auch weitergeben“, sagte Rudolf Jäger.

7,9 Prozent Kreditwachstum

Werte schaffen eben Werte – unter diesem Motto erläuterte Jäger den Mitgliedern die Geschäftsentwicklung ihrer Volksbank. So legten die Kundenkredite im Geschäftsjahr 2015 über alle Kundengruppen hinweg überdurchschnittlich um 7,9 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zu (Verbandsdurchschnitt: plus 5,3 Prozent). Das Volumen der neu herausgelegten Kredite erhöhte sich insgesamt um 15,2 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro. Wachstumsträger waren insbesondere die Unternehmensfinanzierungen, Kredite für Investitionen in erneuerbare Energien und die langfristigen Baufinanzierungen. So stiegen die Kredite an Unternehmen um 9,5 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Der Bestand an Krediten für Investitionen in erneuerbare Energien erhöhte sich insgesamt um 33 Prozent auf 560 Millionen Euro. Das Kreditgeschäft mit Privatkunden war insbesondere von einem neuen Rekordwachstum bei den Baufinanzierungen geprägt. Das Neugeschäftsvolumen belief sich auf 307 Millionen Euro (plus 12,5 Prozent).

Plus von 5,4 Prozent bei Kundeneinlagen

Die Kundeneinlagen stiegen um 5,4 Prozent auf mehr als 3,6 Milliarden Euro (Verbandsdurchschnitt: plus 3,3 Prozent). Das betreute Kundenvermögen – bilanzielle und außerbilanzielle Einlagen (Depots, Guthaben bei Versicherungen und Bausparguthaben) – kletterte um 8,5 Prozent auf rund 5,6 Milliarden Euro.

Mit einer Bilanzsumme von 4,9 Milliarden Euro (plus 7,3 Prozent) gehört die Volksbank weiterhin zu den zehn größten Volksbanken Deutschlands.

Weiterhin überdurchschnittliches Ergebnis

„Der anhaltende, politisch gewollte Niedrigzins beschleunigt eine Ertragserosion, der wir nur durch ein überdurchschnittliches Wachstum im Kundengeschäft begegnen können. Dies ist uns im Geschäftsjahr 2015 erneut gelungen“, bewertete Jäger die Ertragsentwicklung 2015.

Aufgrund dieses sehr guten Wachstums im Kredit- und im Einlagengeschäft erhöhte sich der Zinsüberschuss um 1,3 Millionen Euro auf 99,1 Millionen Euro.

Der Provisionsüberschuss weitete sich um 2,5 Millionen Euro auf 33,1 Millionen Euro aus. Impulsgeber für das nachhaltige Wachstum im Provisions- und damit zinsunabhängigen Geschäft waren erneut die Kompetenzzentren der Volksbank, insbesondere für „Internationales Geschäft“, „Zins- und Währungsmanagement“, „Zahlungssysteme“ und „Private Banking“.

Trotz des ausgeprägten Wachstums stieg der Sachaufwand nur geringfügig auf 31,3 Millionen Euro. Der Personalaufwand erhöhte sich um 1,2 Millionen Euro auf 47,8 Millionen Euro. Dies begründet sich zum einen in Tarifsteigerungen. Zum anderen hat die Volksbank elf neue Arbeitsplätze geschaffen und die Anzahl ihrer Mitarbeiter von 850 auf 861 erhöht.

Das Geschäftsjahr 2015 hat die Volksbank mit einem ordentlichen Teilbetriebsergebnis von 1,03 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme abgeschlossen. „Mit unserem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden und weiterhin überdurchschnittlich unterwegs. Damit können wir erneut deutlich unsere Eigenkapitalbasis stärken und uns für die weiter steigenden, anspruchsvollen Eigenkapitalanforderungen nach Basel III rüsten. Vor diesem Hintergrund sind wir in Zukunft umso mehr gefordert, als Kundenbank weiter zu wachsen und unsere Ertragskraft zu sichern“, so Jäger.

Insgesamt hat die Volksbank 24,4 Millionen Euro in die Rücklagen eingestellt. Die Gesamtkapitalquote liegt bei 12,4 Prozent.

Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit erreichte 36,9 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss ging leicht von 13,9 Millionen Euro auf 13,7 Millionen Euro zurück.

Mehr als 3,7 Millionen Euro für Mitglieder

Den 105.850 Mitgliedern kommt der Erfolg in Form der Dividende zugute. Sie erhalten insgesamt 5,5 Prozent auf ihre Anteile. Damit schüttet die Volksbank aus ihrem Bilanzgewinn mehr als 3,7 Millionen Euro aus.

Fünf-Milliarden-Euro-Grenze überschritten

Auch im neuen Geschäftsjahr setzt die Volksbank ihren Wachstumskurs fort. Bereits im ersten Halbjahr legten die Kredite um 4,6 Prozent zu, die Einlagen erhöhten sich um 2,2 Prozent. Zudem übersprang die Bilanzsumme erstmals die fünf-Milliarden-Euro-Grenze. Jäger sieht bei allen Herausforderungen, die Niedrigzins, Regulatorik und Digitalisierung mit sich bringen, sein Haus gut für die Zukunft gerüstet: „Wir sind eine starke genossenschaftliche Regionalbank, deren Wert die Menschen in unserer Wirtschaftsregion schätzen. Wir werden alles daran setzen, unser Profil weiter zu schärfen, Marktanteile zu gewinnen und für unsere Mitglieder und Kunden zu wachsen.“

Vatikan-Korrespondent Andreas Englisch

In seinem kurzweiligen und spannenden Vortrag erzählte Bestseller-Autor Andreas Englisch, was hinter den Mauern des Vatikans passiert. Er begeisterte mit seinen lebhaften Erzählungen das Publikum, das aus erster Hand erfuhr, welch explosive Lage im katholischen Machtzentrum herrscht und womit sich Papst Franziskus beschäftigen muss. Englisch hat bereits drei Päpste hautnah erlebt – Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus. Als er 1987 nach Rom ging, wollte er eigentlich nur Italienisch lernen. Ein finanzieller Engpass war es, der ihn auf die Idee brachte, sich auf einen Job als Vatikankorrespondent bei einer US-Nachrichtenagentur zu bewerben. Die einzige Qualifikation, die er damals mitbrachte, war seine Erfahrung als Messdiener.

 

07. Juli 2016