Volksbank engagiert sich für das Projekt „InRegio“

Paderborner Wirtschaftspädagogen machen ausländische Studierende fit für den heimischen Arbeitsmarkt

Ausländische Studierende arbeiten für die heimische Wirtschaft. Ihre Auftraggeber und Betreuer sind: Stefan Müller, Leiter Personalmanagement der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, Stefan Schwan, International Office-Leiter der Universität Paderborn, Professorin Dr. Nicole Kimmelmann, Universität Paderborn, Jürgen Behlke, Geschäftsführer der IHK-Zweigstellen Paderborn und Höxter.

Paderborn. Gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) ermittelte Stefan Schwan vom International Office der Universität Paderborn vor drei Jahren, dass es sich erstaunliche 93 Prozent der ausländischen Studierenden vorstellen könnten, in der Region zu bleiben, wenn ihnen nach erfolgreichem Studienabschluss ein Arbeitsplatz angeboten würde. Der ehemalige Paderborner Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Karl-Heinz Gerholz, Universität Bamberg, rief daraufhin das Projekt „InRegio“ ins Leben, das ausländische Studierende mit dem Arbeitsleben und der Kultur des Gastlandes vertraut macht. Das Projekt ist einmalig in Deutschland und setzt ermutigende Signale für die heimische Wirtschaft. Weiterentwickelt und betreut wird das erfolgreich angelaufene Projekt von Professorin Dr. Nicole Kimmelmann vom Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik.

„Deutschland ist interkulturell!“ Zu diesem einhelligen Fazit kamen die rund 30 Studierenden bei der „InRegio“-Abschlussveranstaltung am 21. Juli 2016. Anhand von drei Projekten, die von der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, der örtlichen Industrie- und Handelskammer und der ELHA-Maschinenbau Liemke KG in Hövelhof mitgetragen wurden, entwickelten die Studierenden, die von erfahrenen Wirtschaftsmanagern gecoacht und von kompetenten Wirtschaftspädagogen betreut wurden, Lösungsansätze, die direkt von den nachfragenden Unternehmen und Institutionen umgesetzt werden können. So konzipierte der aus Ägypten stammende Maschinenbaustudent Samuel Ghobrial im Team mit anderen Studierenden für den Maschinenbauer ELHA Liemeke KG ein Konzept für den Eintritt in den chinesischen Markt. Dabei ging es vor allem um Aufdeckung und Klärung von rechtlichen Fragen und kulturellen Hemmschwellen.

Die Lettin Irina Kornejenkova und ihr Team bekamen von Stefan Müller, Leiter Personalmanagement der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, die Aufgabe, die Bedingungen und Voraussetzungen für die Rekrutierung gut ausgebildeter ausländischer Fachkräfte zu untersuchen. Das Team bestand neben der Lettin aus einem Bulgaren, einer Aserbeidschanerin und einer Russin. Dabei ermittelten sie zwar keine repräsentativen, dennoch erhellende Zahlen: 41 Prozent der ausländischen Studierenden brechen ab, aber immerhin 30 Prozent bemühen sich ein ganzes Jahr lang um einen Job in Ostwestfalen-Lippe. Personalleiter Stefan Müller lobte die hohe Motivation der Studierenden. „Für uns als Kreditinstitut ist es von jeher ein Selbstverständnis und in unserem Förderauftrag begründet, uns in der Region einzubringen und zu engagieren. Wir werden uns mit den hier offengelegten Zahlen intensiv beschäftigen. Sie werden sicherlich unserem Personalwesen neue Impulse geben.“

Marym Amirsalehi, Maschinenbaustudentin aus dem Iran, berichtete gemeinsam mit ihrer chinesischen Kollegin in einer sehr lebendig vorgetragenen Präsentation über das Zustandekommen eines „Kulturleitfadens“, der die kulturellen Eigenheiten von Deutschen und Chinesen aufzeigt und - daraus ableitend - Verhaltensregeln für den richtigen Umgang im Geschäftsverkehr gibt. Während die Chinesen bei der Begrüßung liebend gerne über die Familiensituation sprechen, kommen die Deutschen am liebsten gleich zum Geschäft. Ein Chinese erwartet, dass zunächst der Ranghöhere begrüßt wird, ein Deutscher begrüßt unter Umständen zuerst die anwesenden Frauen. Chinesen schätzen es nicht, wenn es im Smalltalk um das Thema „Hunde auf dem chinesischen Speisezettel“ geht. Der Deutsche dagegen reagiert ablehnend, wenn der chinesische Gastgeber beim gemeinsamen Lunch zu übermäßigem Schnapsgenuss aufruft. Auftraggeber des Leitfadens, der neben den kulturellen Aspekten auch den Markteintritt deutscher Unternehmen in China zum Thema hatte, war Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Zweigstellen Paderborn und Höxter.

In ihren abschließenden Worten wies Professorin Nicole Kimmelmann noch einmal auf die Bedeutung hin, die das Projekt „InRegio“ für die Region hat. „Wir machen immer wieder aufs Neue die Erfahrung, wie sehr sich die ausländischen Studierenden auf unsere Region fokussieren, wenn wir ihnen eine Perspektive aufzeigen können. ,InRegio' leistet das in idealer Weise, indem wir die Studierenden mit der Region, ihren Unternehmen, den kulturellen Institutionen und den Menschen vernetzen. Unsere Ergebnisse sind so ermutigend, dass wir mittelfristig planen, dieses Projekt dauerhaft ins Lehrangebot der Universität Paderborn zu integrieren.“

 

26. Juli 2016