Wie eine eG funktioniert

Idee und Praxis der genossenschaftlichen Banken

Die Genossenschaft – gemeinsames Handeln mit Prinzip

Was einer allein nicht schafft, das erreichen viele gemeinsam. Das ist das grundlegende Prinzip jeder Genossenschaft. Nur durch Zusammenarbeit und solidarisches Handeln hat sich die menschliche Kultur entwickelt, wurden Länder besiedelt und Städte gebaut.

Es ist nicht immer leicht, Menschen zu solidarischem Handeln zu bewegen. Doch wenn gemeinsame Interessen da sind, wenn jeder der Beteiligten dadurch Vorteile genießt, kann eine solche Gemeinschaft organisiert werden – in Form einer Genossenschaft. Das verstehen wir unter „Wir machen den Weg frei”.

Der Begriff „Genossenschaft“

Schon früher verstand man unter einer Genossenschaft eine Vereinigung, um gemeinsam bestimmte wirtschaftliche Ziele zu erreichen: Beispielsweise gab es in früheren Tagen Weiden- oder Deichgenossenschaften.

Genossenschaftlich waren auch schon die Verfassungen der Städte im Mittelalter. Und auch wir gebrauchen das Wort heute noch: als Zeitgenosse oder Bundesgenosse, die Schweizer nennen sich Eidgenossen. Das erste deutsche Genossenschaftsgesetz wurde bereits 1889 unter Bismarck verabschiedet.

Die Gründerväter des deutschen Genossenschaftswesens:

Hermann Schulze-Delitzsch
Friedrich Wilhelm Raiffeisen
Was ist eine Genossenschaft heute?

Eine Genossenschaft ist der Zusammenschluss von mindestens drei gleichberechtigten Mitgliedern, die ihre gleichen wirtschaftlichen Interessen durch einen gemeinsamen Geschäftsbetrieb fördern wollen. Die Regeln dazu sind im Genossenschaftsgesetz festgelegt.

Genossenschaften gibt es in allen Bereichen der Wirtschaft: in der Landwirtschaft, im Weinbau (Winzergenossenschaft), beim Handwerk (z. B. Maler-Einkaufsgenossenschaften), beim Handel (z. B. Edeka), im Dienstleistungsgewerbe (z. B. Taxizentralen). Und es gibt die genossenschaftlichen Kreditinstitute: die Gruppe der Volksbanken Raiffeisenbanken, von denen hier im Besonderen die Rede ist.

Was bedeutet „eG“?

„eG“ steht für „eingetragene Genossenschaft“ und bezeichnet die Rechtsform der Gesellschaft. Eine Genossenschaft erhält ihre Rechtsfähigkeit durch Eintragung in das Genossenschaftsregister
beim zuständigen Amtsgericht.

Die Idee der eG ist für Millionen attraktiv

Überall im Land haben sich Bürger in Genossenschaften zusammengeschlossen, vor allem in den aufstiegsorientierten Mittelschichten: Angestellte wie Beamte, Arbeitnehmer wie selbstständige
Handwerker, Landwirte, Ingenieure, Ärzte, Architekten, Männer wie Frauen, junge Leute wie Rentner. Über 17 Millionen Personen in der Bundesrepublik sind heute Mitglied bei der genossenschaftlichen Bankengruppe.

Wie funktioniert eine eG?

Wenn man kein straffes Konzept hat, besteht die Gefahr, dass viel geredet wird, wenig geschieht und schließlich niemand die Verantwortung hat. Bei den Genossenschaften heißt es darum ganz klar, die Aufgabe und die Verantwortung an Personen zu delegieren, die kompetent sind und das Vertrauen der Mitglieder genießen.

Die Mitglieder

Die Mitglieder wählen direkt oder über gewählte Vertreter den Aufsichtsrat, der seinerseits den Vorstand bestellt. Vorstand und Aufsichtsrat berichten jedes Jahr vor der Versammlung der Mitglieder bzw. der Vertreter.

Eine eG verfügt über kein festes Stammkapital, sondern über die veränderlichen Geschäftsguthaben der Mitglieder. Grundsätzlich kann jedermann Mitglied – man kann auch Teilhaber sagen – werden und sich mit einem Geschäftsanteil an der Genossenschaft beteiligen.

Der Geschäftsanteil

Ein Mitgliedsbeitrag wird nicht erhoben. Dafür gibt es den Geschäftsanteil, in dessen Höhe sich das Mitglied an einer Genossenschaft beteiligt.

Selbstverständlich kann man die Mitgliedschaft auch kündigen, meistens mit einer Frist von zwölf Monaten zum Jahresende. Genaue Regelungen finden sich in der Satzung. Die Freiwilligkeit der Mitgliedschaft ist ein wesentlicher Bestandteil des genossenschaftlichen Prinzips.

Die Generalversammlung

Das bedeutendste Organ der Genossenschaft, die Generalversammlung, wird mindestens einmal im Jahr einberufen. Ihr kommen umfangreiche Entscheidungsbefugnisse zu. Beispielsweise stimmen die Mitglieder in der jährlichen Generalversammlung über den Jahresabschluss und über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat ab, ebenso über die Verwendung des Reingewinns. Des Weiteren wählen sie aus ihrer Mitte den Aufsichtsrat.

Dabei ist jedes Mitglied gleichberechtigt – es hat eine
Stimme, unabhängig davon, wie viele Geschäftsanteile
es besitzt.

Die Vertreterversammlung

Demokratie muss überschaubar sein, wenn sie funktionieren soll. Hat eine Genossenschaft mehr als 1.500 Mitglieder, so können die Mitglieder ihre Rechte in einer Vertreterversammlung ausüben. Diese Vertreter werden von den Mitgliedern grundsätzlich für vier Jahre gewählt.

Der Vorstand

Der Vorstand besteht aus mindestens zwei Personen. Er leitet die Genossenschaft in eigener Verantwortung und vertritt sie nach außen. Die Mitglieder des Vorstandes werden laut Gesetz grundsätzlich durch die Generalversammlung oder Vertreterversammlung berufen. Die jeweilige Satzung einer Genossenschaft kann jedoch auch eine andere Art der Bestellung vorsehen.

Der Aufsichtsrat

Er überwacht die Geschäftsführung und erstattet der General- oder Vertreterversammlung Bericht über den Jahresabschluss und die durchgeführte Prüfung. Er besteht aus mindestens drei Mitgliedern, die in der General- oder Vertreterversammlung gewählt werden.

Die Wahlperiode dauert in der Regel drei Jahre. Üblicherweise wird jedes Jahr ein Drittel der Aufsichtsratsmitglieder neu gewählt. Die Wiederwahl ist zulässig.

Die Gewinnbeteiligung

Der Reingewinn wird nach Abschluss des Geschäftsjahres und nach Genehmigung durch die General- oder Vertreterversammlung an die Mitglieder verteilt, soweit er nicht in die gesetzliche
oder freiwillige Rücklage fließt oder auf neue Rechnung vorgetragen wird. Denn auf den Ausbau der Leistungsfähigkeit und auf die Aufstockung des Sicherheitspolsters wird größter Wert gelegt.

Bei den genossenschaftlichen Banken wird der Gewinn in Form einer attraktiven Dividende ausgeschüttet, die in der Regel auf jeden Geschäftsanteil gezahlt wird.

Sicherheit durch Prüfung und Haftung

Wenn es um das anvertraute Geld der Mitglieder und Kunden geht, ist der Faktor Sicherheit unser oberstes Gebot. Darum muss jede Genossenschaftsbank, schon von Gesetzes wegen, einem Verband mit Prüfungsrecht angehören. Dessen Prüfer nehmen jährlich in der Genossenschaft eine strenge Prüfung vor.

Das Genossenschaftsgesetz sieht grundsätzlich eine Haftung der Mitglieder vor. Die Höhe ist dabei auf eine bestimmte, in der Satzung eingetragene Höhe beschränkt. In der Praxis der Kreditgenossenschaften ist dies allerdings noch nie vorgekommen. Die Haftung hat für Mitglieder somit kaum eine praktische Bedeutung, dafür sorgen zunächst die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und die strengen Prüfungen der Genossenschaftsverbände. Hinzu kommt die Institutssicherung durch die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken, BVR, dessen System vor Jahren vom Gesetzgeber als Vorbild für andere Kreditinstitute aufgegriffen wurde.

Die Mitglieder gehören zu einer großen Gemeinschaft

Die Anteilseigner der Genossenschaftsbanken gehören zu einer starken Wirtschaftsgemeinschaft mit über 17 Millionen Mitgliedern in der Bundesrepublik.

Die Genossenschaftsbanken haben es sich schon immer zur Aufgabe gemacht, den Mitgliedern und Kunden zu mehr finanzieller und somit persönlicher Unabhängigkeit zu verhelfen. Sie trugen viel dazu bei, dem gewerblichen und ländlichen Mittelstand sowie den Arbeitnehmern Geldanlagen und Kredite zu erschließen.

Dabei waren sie immer kundennah und kreativ. So wurde zum Beispiel der Sparbrief von einer Genossenschaftsbank erfunden, auch das Gewinnsparen und das PrimaGirokonto kommen aus dem genossenschaftlichen Bereich.

Die Genossenschaftsbanken haben in der DZ BANK ein Institut, das zu den größten in Europa gehört und weltweit Unterstützung leistet, wenn etwa eine Überweisung nach Sydney, eine Devisentransaktion nach Tokio oder eine Aktienorder in New York zu tätigen ist.

Der Aufbau der Genossenschaftlichen FinanzGruppe

Die Zentralbanken stehen mit den größten internationalen Banken im elektronischen Direktkontakt und sind an allen wichtigen Finanzplätzen der Welt mit Filialen vertreten. Jede Genossenschaftsbank ist also für jeden Service in jeder Größenordnung gerüstet. Mehr noch: Den Mitgliedern und Kunden stehen in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe die Dienste von Spezialisten aus allen Bereichen der Finanzwirtschaft zur Verfügung:

  • Die Bausparkasse Schwäbisch Hall, Bausparkasse der deutschen Genossenschaftsbanken, ist die größte private Bausparkasse in Deutschland.
  • Die R+V Versicherung bietet die gesamte Palette an Lebens- und Sachversicherungen zu günstigen Konditionen.
  • Die Münchener Hypothekenbank und die DG HYP geben Pfandbriefe heraus und finanzieren Immobilien.
  • Die Union Investment ist ein erfahrener Partner für die Geldanlage in Wertpapierfonds.
  • Die VR LEASING ist der leistungsstarke Partner für Mietfinanzierungen vom Auto bis zur kompletten Produktionsanlage.
Egal, ob in einer Bank der ländlichen Region oder der Stadt, die Mitglieder und Kunden wissen, dass in ihrer Bank guter, moderner Service eine Selbstverständlichkeit ist.
Der Heimat verbunden und in Europa zu Hause

Volksbanken und Raiffeisenbanken gibt es überall im Land. Sie sind im städtischen wie im ländlichen Ortsbild so selbstverständlich wie das Rathaus oder die Kirche.

Jede Genossenschaftsbank ist rechtlich selbstständig. Hier entscheiden Leute, die man kennt. Die sich mit ihrer Bank und ihrem Heimatort identifizieren. Das merkt man natürlich auch am Kontakt, der persönlich, offen und nachbarschaftlich ist.

Volksbanken und Raiffeisenbanken gibt es nicht nur im Bundesgebiet. Genossenschaftsbanken findet man z. B. auch in den Nachbarländern Österreich und der Schweiz. Auch der Crédit Mutuel, die Banques Populaires in Frankreich und die Rabobank in Holland, um nur Beispiele zu nennen, sind Genossenschaftsbanken.

Wer bei einer Genossenschaftsbank Teilhaber ist, der weiß: Ich gehöre zu einer starken, demokratischen Wirtschaftsgemeinschaft mit internationalen Dimensionen. Und er weiß: Ich bin Kunde und Teilhaber bei einer Bank, die es sich in die Satzung geschrieben hat, ihre Mitglieder wirtschaftlich zu fördern.